Sind Menschen egoistisch, dumm und veränderungsresistent? Oder sind sie rücksichtsvolle, intelligente und lernfähige Wesen? Die Antwort auf diese Frage bestimmt unser tägliches Handeln. Und sie wird auch entscheidend sein dafür, wie sich die Welt in den nächsten Jahrzehnten entwickelt.
Gehen wir einmal davon aus, dass jeder Mensch nur auf seinen persönlichen Vorteil aus ist. Das erfordert nicht so viel Vorstellungskraft, ist doch ein solches Menschenbild Basis unseres derzeitigen Wirtschaftssystems und somit tief in unseren Gedanken verankert. Aber denken wir weiter: Wenn ich davon ausgehe, dass mein Gegenüber nur an sich selbst denkt, dann werde ich logischerweise auch versuchen, selbst das Bestmögliche herauszuholen. Und der nächste tut dasselbe. Es entsteht ein Teufelskreis aus Ellbogendenken und Misstrauen, an dessen Ende jeder selbst schauen muss, wo er bleibt. In letzter Konsequenz würde dieses Modell in den Anarchismus führen. Globale Probleme würden sich nicht bewältigen lassen, und über kurz oder lang würden die meisten Formen von Kooperation den Bach hinunter gehen, weil kurzfristig egoistisches Handeln größere Vorteile verspricht. Das lehrt auch die Spieltheorie: Es gewinnt der, der nur auf sich selbst schaut, auch wenn durch Zusammenarbeit insgesamt deutlich bessere Ergebnisse erzielt werden hätten können.
Aber man kann sich auch einen anderen Menschen vorstellen - einen Menschen, dem die Gemeinschaft wichtiger ist als der persönliche Erfolg; einen Menschen, der bereit ist, nachzudenken; einen Menschen, der aus seinen Fehlern lernt und erkennt, dass Kooperieren möglicherweise mehr bringt. Denkt man dieses Menschenbild zu Ende, gelangt man zu einer Gesellschaft der Freundschaft, des Miteinanders und des Teilens. Das Gemeinsame steht im Mittelpunkt und alle wissen, dass sie dadurch glücklicher werden als durch Geiz und Gier. Die Menschheit wäre plötzlich fähig, über alle Grenzen hinweg Probleme zu lösen und würde friedlich im Einklang mit der Natur zusammenleben.
Natürlich sind das zwei extreme Menschenbilder. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen aber, dass Menschen von Geburt an Anlagen in beide Richtungen haben. Sie können sich egoistisch, gierig und rücksichtslos verhalten; sie können aber genauso gut empathisch, kooperativ und respektvoll miteinander umgehen. Welche Verhaltensmuster letzten Endes dominieren, hängt davon ab, wie sie im Laufe ihres Lebens geprägt wurden.
Jeder Mensch bastelt sich aus seinem Wissen und seinen Erfahrungen ein Menschenbild zusammen, dass ihm hilft, die Welt zu verstehen. Ist dieses Menschenbild einmal gebildet, wirkt es wie eine selbsterfüllende Prophezeiung: Man sieht (fast) nur mehr Beispiele, die die vorgefertigte Meinung verstärken. Verhaltensweisen in die andere Richtung werden missachtet oder so gedeutet, dass sie trotzdem ins Bild passen.
Ich denke, es ist klar, wie mein Menschenbild aussieht. Und wenn jemand der Meinung ist, dass alle Menschen egoistische Idioten sind, dann will ich ihm oder ihr diese auch nicht nehmen. Aber ich würde mir wünschen, dass sie oder er dieses Bild nicht als Vorwand nimmt, um selbst nichts zu tun. Ich würde mir wünschen, dass er oder sie zumindest Bereitschaft zeigt, diejenigen Menschen zu unterstützen, die etwas in verändern wollen - und möge es noch so utopisch scheinen.
Ich werde morgen zum Bezirksamt gehen und das MeinOE-Volksbegehren unterschreiben, weil ich überzeugt bin, dass eine Stärkung der Demokratie ein wichtiger Schritt in diese Richtung wäre. Und ich freue mich über jede/n, die/der das selbe tut!
Klimavision Blog
Ein Blog über die Auswirkungen aktueller Entwicklungen auf Klima, Umwelt und zukünftige Generationen.
Ein Blog über das, was bei kurzfristiger Betrachtung oft vergessen wird.
Ein Blog aus Sicht eines rationalen Weltverbessers.
Dienstag, 29. Mai 2012
Freitag, 25. Mai 2012
... und plötzlich begann er zu denken
Stellt euch Folgendes vor: Ein einflussreicher Interessensvertreter kommt zu einer Veranstaltung, um klar zu machen, dass seine Organisation absolut nichts von den dort vorgetragenen Thesen hält. Und am Ende des Abends lädt er denjenigen, der diese Thesen entwickelt hat, ein, damit er auch vor seinen Leuten darüber referiert. Klingt unglaublich, ist gestern aber genau so passiert.
Zunächst saß der Interessensvertreter im Publikum und lauschte dem Referenten. Er sah sich in seiner Meinung, die er sich vorab gebildet hatte, in einigen Punkten bestärkt, von anderen Aussagen wiederum war er positiv überrascht. Die prominenten Vorredner, die den Ideen des Referenten sehr aufgeschlossen gegenüber gestanden waren, dürften ihn ebenfalls etwas schon zum Nachdenken gebracht haben.
Danach betrat er die Bühne und hatte die Gelegenheit, selbst seine Meinung über die vorgetragenen Inhalte kundzutun. Die Fragestellung des Moderators ignorierte er zunächst und trug seinen vorbereiteten Text vor, der mit dem Thema zwar nicht zu tun hatte, dafür aber umso mehr für Kopfschütteln im voll besetzten Saale führte. Danach ging er doch auf das Thema ein - oder versuchte es zumindest. Drei Mal musste er dabei sein "Das ist so!" wiederholen, um das Raunen im Publikum und die vereinzelten Buh-Rufe zu übertönen. Sicher ungewohnt für einen Mann wie ihn.
Schließlich brachte er dann doch drei gute Argumente, denen der Referent jedoch geschickt den Wind aus den Segeln nehmen konnte. Und er bemerkte, dass auch die anderen, von ihm geschätzten Podiumsdiskutanten, langsam begannen, sich auf die neuen Ideen einzulassen, anstatt immer nur dagegen zu sein. Also entledigte er sich seines vorbereiteten Materials und beschloss, sich zumindest ein wenig auf die Thesen des Referenten einzulassen.
Nach der Veranstaltung ging er dann auf den Referenten zu, öffnete sich, redete mit dem Referenten und erkannte: Da sollten wir dran bleiben. Und so beschloss er kurzerhand, gemeinsam mit einem Kollegen von einer anderen Interessensvertretung den Referenten zu einem Vortrag für seine Leute einzuladen.
Ich finde diese Geschichte großartig. Denn sie zeigt, dass Menschen durchaus bereit sind, sich auf neue Dinge einzulassen, wenn sie nur beginnen, sich ernsthaft mit einer Materie auseinanderzusetzen. Intelligente Organisationen erkennen auch die Zeichen der Zeit und wissen: Entweder wir gehen den Weg mit oder wir werden überflüssig. Besagte Institution beschreitet nun diesen Weg. Und das ist unglaublich motivierend - für jeden, der versucht, etwas zu verändern, denn es zeigt: Vieles ist möglich, wenn man die Menschen zum Nachdenken bringt!
Zunächst saß der Interessensvertreter im Publikum und lauschte dem Referenten. Er sah sich in seiner Meinung, die er sich vorab gebildet hatte, in einigen Punkten bestärkt, von anderen Aussagen wiederum war er positiv überrascht. Die prominenten Vorredner, die den Ideen des Referenten sehr aufgeschlossen gegenüber gestanden waren, dürften ihn ebenfalls etwas schon zum Nachdenken gebracht haben.
Danach betrat er die Bühne und hatte die Gelegenheit, selbst seine Meinung über die vorgetragenen Inhalte kundzutun. Die Fragestellung des Moderators ignorierte er zunächst und trug seinen vorbereiteten Text vor, der mit dem Thema zwar nicht zu tun hatte, dafür aber umso mehr für Kopfschütteln im voll besetzten Saale führte. Danach ging er doch auf das Thema ein - oder versuchte es zumindest. Drei Mal musste er dabei sein "Das ist so!" wiederholen, um das Raunen im Publikum und die vereinzelten Buh-Rufe zu übertönen. Sicher ungewohnt für einen Mann wie ihn.
Schließlich brachte er dann doch drei gute Argumente, denen der Referent jedoch geschickt den Wind aus den Segeln nehmen konnte. Und er bemerkte, dass auch die anderen, von ihm geschätzten Podiumsdiskutanten, langsam begannen, sich auf die neuen Ideen einzulassen, anstatt immer nur dagegen zu sein. Also entledigte er sich seines vorbereiteten Materials und beschloss, sich zumindest ein wenig auf die Thesen des Referenten einzulassen.
Nach der Veranstaltung ging er dann auf den Referenten zu, öffnete sich, redete mit dem Referenten und erkannte: Da sollten wir dran bleiben. Und so beschloss er kurzerhand, gemeinsam mit einem Kollegen von einer anderen Interessensvertretung den Referenten zu einem Vortrag für seine Leute einzuladen.
Ich finde diese Geschichte großartig. Denn sie zeigt, dass Menschen durchaus bereit sind, sich auf neue Dinge einzulassen, wenn sie nur beginnen, sich ernsthaft mit einer Materie auseinanderzusetzen. Intelligente Organisationen erkennen auch die Zeichen der Zeit und wissen: Entweder wir gehen den Weg mit oder wir werden überflüssig. Besagte Institution beschreitet nun diesen Weg. Und das ist unglaublich motivierend - für jeden, der versucht, etwas zu verändern, denn es zeigt: Vieles ist möglich, wenn man die Menschen zum Nachdenken bringt!
Dienstag, 8. Mai 2012
Neue Denkweisen sind gefragt
Sparen, sparen, sparen - so lautete das Motto von Sarkozy, Merkel, Fekter und vielen ihrer Kollegen. Griechenland, Portugal und Spanien zeigen, wie gut das funktioniert. Nun kommt Hollande und will zusätzlich zum Fiskalpakt einen "Wachstumspakt" schließen. Das klingt nett, wird aber genauso wenig funktionieren. Schon Albert Einstein sagte: "Probleme lassen sich niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind".
Und dieser Spruch ist bald 100 Jahre alt. Beherzigt hat ihn in der Politik bisher freilich kaum jemand. Derzeit laufen wir den Ideen von Smith, Keynes, Hayek oder Marx nach, die mindestens 60 Jahre alt sind. PolitikerInnen und WissenschafterInnen zeigen sich unfähig, neue Entwürfe zu entwickeln, die den Anforderungen der Zeit Rechnung tragen und allen Menschen ein gutes Leben in Frieden ermöglichen. Uninspiriert und ideenlos versuchen sie, mit wiederholt gleichen Rezepten die immer deutlicher sichtbaren Symptome eines in sich zusammenbrechenden Systems zu bekämpfen. Doch die Pausen, die zwischen den einzelnen Ereignissen auftreten, werden immer kürzer. Finanziell sind praktisch alle Ressourcen ausgeschöpft. Mensch und Natur gelangen an ihre Grenzen. Und dennoch wird weitergewurschtelt wie bisher.
"Probleme lassen sich niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die entstanden sind", sagte Albert Einstein. Es ist hoch an der Zeit, seine Worte zu beherzigen. Viele junge Menschen haben es bereits geschafft, sich vom geistigen Korsett althergekommener Denkmuster zu lösen. Sie hinterfragen nicht nur das bestehende System, sondern auch alle anderen Ideologien, denen die großen Parteien nachlaufen. Sie nehmen sich die Freiheit, eigenständig zu denken, und anstatt einer einseitige Lösung bestimmter Probleme ganze Denksysteme zu entwickeln, mit denen sie den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts begegnen können.
Für die Alteingesessenen ist das natürlich nicht leicht zu verstehen. Denn vielfach müssten sie zumindest sich selbst gegenüber eingestehen, dass jene Ideale, nach denen sie bisher strebten, nicht der Weisheit letzter Schluss waren. Sie müssten versuchen, sich neuen Denkweisen zu öffnen, um die Welt in einem anderen Licht zu sehen; um zu sehen, was möglich wäre, wenn sie nur wollten. Doch das gelingt den meisten nicht. Wenn Fekter von der Schuldenbremse, Merkel vom Rettungsschirm und Hollande vom Wachstumspakt spricht, sind das alte Rezepte in mäßig kreativer, neuer Verpackung. Sie ändern auch nichts am Gesamtsystem, sondern bleiben innerhalb jener Grenzen, die uns in den letzten Jahren zusehends in Schwierigkeiten bringen.
All die Krisen in Europa, aber auch die globalen Probleme werden daher dann - und nur dann - in den Griff zu bekommen sein, wenn die VerantwortungsträgerInnen bereit sind, sich neuen Denkweisen zu öffnen. Das Beispiel Griechenland zeigt, was passiert, wenn das nicht rechtzeitig gelingt.
Und dieser Spruch ist bald 100 Jahre alt. Beherzigt hat ihn in der Politik bisher freilich kaum jemand. Derzeit laufen wir den Ideen von Smith, Keynes, Hayek oder Marx nach, die mindestens 60 Jahre alt sind. PolitikerInnen und WissenschafterInnen zeigen sich unfähig, neue Entwürfe zu entwickeln, die den Anforderungen der Zeit Rechnung tragen und allen Menschen ein gutes Leben in Frieden ermöglichen. Uninspiriert und ideenlos versuchen sie, mit wiederholt gleichen Rezepten die immer deutlicher sichtbaren Symptome eines in sich zusammenbrechenden Systems zu bekämpfen. Doch die Pausen, die zwischen den einzelnen Ereignissen auftreten, werden immer kürzer. Finanziell sind praktisch alle Ressourcen ausgeschöpft. Mensch und Natur gelangen an ihre Grenzen. Und dennoch wird weitergewurschtelt wie bisher.
"Probleme lassen sich niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die entstanden sind", sagte Albert Einstein. Es ist hoch an der Zeit, seine Worte zu beherzigen. Viele junge Menschen haben es bereits geschafft, sich vom geistigen Korsett althergekommener Denkmuster zu lösen. Sie hinterfragen nicht nur das bestehende System, sondern auch alle anderen Ideologien, denen die großen Parteien nachlaufen. Sie nehmen sich die Freiheit, eigenständig zu denken, und anstatt einer einseitige Lösung bestimmter Probleme ganze Denksysteme zu entwickeln, mit denen sie den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts begegnen können.
Für die Alteingesessenen ist das natürlich nicht leicht zu verstehen. Denn vielfach müssten sie zumindest sich selbst gegenüber eingestehen, dass jene Ideale, nach denen sie bisher strebten, nicht der Weisheit letzter Schluss waren. Sie müssten versuchen, sich neuen Denkweisen zu öffnen, um die Welt in einem anderen Licht zu sehen; um zu sehen, was möglich wäre, wenn sie nur wollten. Doch das gelingt den meisten nicht. Wenn Fekter von der Schuldenbremse, Merkel vom Rettungsschirm und Hollande vom Wachstumspakt spricht, sind das alte Rezepte in mäßig kreativer, neuer Verpackung. Sie ändern auch nichts am Gesamtsystem, sondern bleiben innerhalb jener Grenzen, die uns in den letzten Jahren zusehends in Schwierigkeiten bringen.
All die Krisen in Europa, aber auch die globalen Probleme werden daher dann - und nur dann - in den Griff zu bekommen sein, wenn die VerantwortungsträgerInnen bereit sind, sich neuen Denkweisen zu öffnen. Das Beispiel Griechenland zeigt, was passiert, wenn das nicht rechtzeitig gelingt.
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